28.8.2026
Als Vorsitzender des Vorstands begleitet Joachim Schwind die Entwicklung der Aventis Foundation seit vielen Jahren. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums spricht er darüber, wie sich die Stiftung von einer Unternehmensstiftung hin zu einer unabhängigen Stiftung entwickelt hat, wie sich eine langfristig ausgerichtete Kapitalanlagepolitik mit einer spürbaren Förderung verbindet – und warum „Engagement“ für ihn zum Kern des Stiftungsauftrags gehört.
Herr Schwind, wenn Sie auf 30 Jahre Aventis Foundation zurückblicken: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Schritte von der ursprünglichen ›Hoechst-Stiftung‹ hin zu dem Profil, das die Stiftung heute auszeichnet?
Die Zeitreise der Aventis Foundation beginnt 1996 mit ihrer Gründung als „Hoechst Foundation. Die Stiftung der Hoechst AG“. Der Namenszusatz stand dafür, dass es sich im Kern um eine Unternehmensstiftung handelte. Nach der Fusion der Hoechst AG mit Rhône-Poulenc zum Pharmakonzern Aventis und der späteren Übernahme durch Sanofi-Synthélabo lebt der Name „Aventis“ in der Stiftung fort.
Spiegelbildlich zur Neuausrichtung der Hoechst AG hat sich die Stiftung von einer Unternehmensstiftung hin zu einer unabhängigen Stiftung entwickelt. Das zeigt sich in der aktuellen Satzung und Organstruktur: Das Kuratorium ergänzt sich selbst durch das Kooptationsprinzip und entscheidet eigenständig über die Weiterentwicklung der Satzung und der Förderpolitik.
Die Stiftung fördert schwerpunktmäßig Kultur und Wissenschaft. Darüber hinaus hat sie Gestaltungsfreiraum, durch ausgewählte Förderprojekte gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. In einem kontinuierlichen Prozess überprüft sie ihre Fördertätigkeit und -prozesse. Mit diesem disziplinierten Ansatz ist es uns gelungen, das Profil einer zukunftsgewandten Stiftung und eines verlässlichen Förderpartners zu entwickeln.
Die Aventis Foundation hat seit ihrer Gründung mit Millionenbeträgen Kultur und Wissenschaft gefördert – und gleichzeitig hat sich das Stiftungsvermögen bis heute nahezu verdoppelt. Wie balancieren Sie als Vorstand die Verantwortung, das Stiftungskapital zu erhalten, und den Anspruch, spürbar zu fördern, aus?
Die Aventis Foundation ist eine auf Dauer angelegte Stiftung mit sogenanntem Ewigkeitscharakter. Dies erlaubt es ihr, die Kapitalanlage langfristig auszurichten. Ziel ist es, sowohl den realen Kapitalerhalt sicherzustellen als auch jährlich ein attraktives Förderbudget aus den Erträgen zu erwirtschaften. Die strategische Kapitalanlage wird fortwährend überprüft und gegebenenfalls durch den Vorstand in Abstimmung mit den Mitgliedern des Anlageausschusses im Kuratorium angepasst.
Durch eine stringente, an Sachwerten ausgerichtete Anlagepolitik hat die Stiftung in den vergangenen zehn Jahren trotz der unterschiedlichsten Herausforderungen an den Kapitalmärkten eine durchschnittliche Performance von rund 7 Prozent p.a. erzielt. Das Stiftungsvermögen beträgt aktuell (30. Juni 2026) rund 98 Mio. Euro und hat sich damit seit Stiftungsgründung nahezu verdoppelt. Darüber hinaus hat die Stiftung im gleichen Zeitraum über 57 Mio. Euro für Förderprojekte zur Verfügung gestellt – eine Erfolgsgeschichte. Gute Kapitalerträge sind kein Selbstzweck. Sie sind auch die Basis dafür, dass die Stiftung seit 30 Jahren als verlässlicher Förderpartner wahrgenommen wird.
Sie betonen, dass die Aventis Foundation nicht nur Kultur und Wissenschaft fördert, sondern auch durch ausgewählte Projekte gesellschaftliches Engagement stärkt. Was macht diese Förderung aus?
Für mich bedeutet dies die gezielte Auswahl von Projekten engagierter Vereine und Einrichtungen in der Region Frankfurt/Rhein-Main, dem Sitz der Stiftung, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. So ermöglichen wir insbesondere die Durchführung von lokalen Projekten in den Bereichen Sprach- und Lesefähigkeit, Demokratieförderung, Aktivitäten und Hilfsangebote für ältere Menschen und Jugendarbeit. Auf diese Weise erreichen und unterstützen wir eine Vielzahl von Menschen.
Das erlebe ich bei meinen Besuchen bei unseren Förderpartnern immer wieder sehr konkret. Es freut und motiviert mich, dieses Engagement und Miteinander zu erleben – es ist ein großer Antrieb für meine ehrenamtliche Arbeit in der Stiftung.
Vielen Dank für das Interview!