31.3.2026
Ein Abend zwischen Stille, Druck und klanglicher Grenzerfahrung: Im art.ist Wiesbaden präsentierte das Ensemble Inverspace „Stones – Songs on the edge“. Das Ensemble widmet sich seit 2011 der zeitgenössischen und experimentellen Musik und arbeitet eng mit Komponistinnen und Komponisten zusammen, wobei ein besonderer Fokus auf elektronischen Klangwelten und neuen Soundtechnologien liegt.
Gemeinsam mit der Stimmkünstlerin Sofia Jernberg interpretierten die Musizierenden neun Stücke aus Michael Pisaro‑Lius „Tombstones“-Zyklus neu. Jernberg, die für ihre unkonventionellen stimmlichen Techniken bekannt ist, erweitert mit nicht-verbalem Vokalisieren und komplexen Klangfarben den musikalischen Ausdruck des Abends. Pisaro‑Lius reduzierte Klangsprache erzeugte fragile, präzise gesetzte Inseln aus Tönen, in denen Songformen nur als ferne Erinnerungen aufschienen.
Einen Schwerpunkt des Konzerts bildete die Uraufführung von „Requiem für die staatenlosen Toten“, die Jernberg nach Texten des Autors Fiston Mwanza Mujila entwickelte. Stimme, Sprache und instrumentaler Klang verdichteten sich zu einer Reflexion über Verlust und Entortung. Als Kontrast folgte Raphaël Cendos „Control“. Die Ästhetik der Saturationsmusik entfaltete extreme Dichte und physische Energie. Zwischen Überdruck und strenger Organisation entstand ein Spannungsfeld, in dem Kontrolle als bewusste Gestaltung von Exzess hörbar wurde.
Das Projekt wird am 2. Juni 2026 in der Reihe „Unerhörte Musik“ in Berlin erneut zu erleben sein.
Die Aventis Foundation fördert dieses Projekt im Rahmen ihres Förderbereichs „Klang“.
Stones – Songs on the edge
Ensemble Inverspace e. V.
Wiesbaden, Berlin