17.12.2025
Im November verbanden drei Konzertabende Musik, Poesie und Erinnerungskultur zu einem vielschichtigen Programm. Die Junge Kantorei präsentierte Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ in der selten aufgeführten Londoner Fassung für Klavier zu vier Händen. Brahms’ Werk, das Trost für die Lebenden spenden will, entfaltete in der kammermusikalischen Besetzung eine besondere Unmittelbarkeit.
Die Aufführungen waren Teil der Reihe „Trotz allem! Hoffnung?“. Ergänzt wurde die Musik durch Lyrik von Bertolt Brecht und Paul Celan, eindrucksvoll gesprochen von Antigone Akgün. Die Texte traten in einen reflektierten Dialog mit Brahms’ Komposition und erweiterten den musikalischen Rahmen um literarische Perspektiven auf Verlust, Erinnerung und Hoffnung. Klanglich bereichert wurden die Abende durch Improvisationen von Selini Liao auf der zweisaitigen Erhu.
Auch der Raum wurde Teil des Konzepts: Ein Bühnenbild aus „Gras-Inseln“ lud das Publikum dazu ein, eigene Erinnerungen zu hinterlassen und sich an einer gemeinsamen Gedenkinstallation zu beteiligen. Gerahmt wurden die Konzerte von Knut Nystedts „Immortal Bach“, das individuelle Trauer und kollektiven Trost in einen zeitübergreifenden Klangzusammenhang stellte.
Die Junge Kantorei widmet sich klassischer Chormusik von der Renaissance bis zur Gegenwart und eröffnet mit ihren „NeuHören“-Formaten neue Perspektiven auf bekannte Werke.
Gefördert wurde das Projekt von der Aventis Foundation im Rahmen der Reihe „Klang“.
Trotz allem! Hoffnung?
Junge Kantorei e. V.
Frankfurt, Heidelberg, Kronberg