25.9.2026
Auf mutigen Grenzgängen zwischen etablierten Forschungsgebieten erschließen drei Nachwuchswissenschaftler Neuland. Mit innovativen Methoden untersuchen sie, wie Immunkrankheiten, Gedächtnisstörungen und Krebs entstehen. Für ihre herausragenden Forschungsleistungen werden ein Molekularbiologe, ein Neurowissenschaftler und ein Chemiker heute Abend im Literaturhaus Frankfurt mit dem höchstdotierten deutschen Nachwuchspreis im Bereich der Lebenswissenschaften ausgezeichnet. Der mit jeweils 100.000 Euro dotierte „Life Sciences Bridge Award“ der Aventis Foundation soll den Preisträgern den Übergang in eine unbefristete Professur erleichtern.
Dr. rer. nat. Jonathan Bohlen hat am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg beobachtet, wie menschliche Ribosomen mRNAs scannen. Dabei entdeckte er die besondere Funktion des Translationsfaktors MCTS-1. Während seiner Postdoc-Zeit in Paris übertrug er diese Erkenntnis auf die seltene Erbkrankheit MSDM. Bei dieser Krankheit fehlt Patientinnen und Patienten das Gen für MCTS-1, weswegen ein wichtiges Signalmolekül zur Infektabwehr nicht mehr produziert wird.
Bohlen legte damit eine selektive Translation als regulatorische Achse von Immunzellen frei – einen Mechanismus, der in der Transkriptomik verborgen bleibt. Am Genzentrum der LMU München arbeitet er nun daran, diese Achse für therapeutische Anwendungen zugänglich zu machen.
Prof. Dr. med. rer. nat. Lukas Kunz erforscht an der Klinik und Poliklinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn die Funktionsweise des Gedächtnisses im menschlichen Gehirn. Gemeinsam mit Epilepsie-Patientinnen und -Patienten, die vorübergehend Elektroden im Gehirn tragen, zeichnet er während virtueller Gedächtnisaufgaben die Aktivität einzelner Nervenzellen und ihre elektrischen Schwingungen auf.
Er konnte spezialisierte Nervenzellen identifizieren und zeigen, dass hochfrequente Schwingungen des Hippocampus die Aktivität zweier Nervenzelltypen koordinieren, wenn das Gehirn Zusammenhänge herstellt und speichert. Bereits in seiner medizinischen Doktorarbeit wies Kunz nach, dass junge Menschen mit einer genetischen Vorbelastung für Alzheimer Jahrzehnte vor einem möglichen Krankheitsbeginn eine verringerte Aktivität bestimmter Nervenzellen aufweisen.
Prof. Dr. rer. nat. Leonhard Möckl hat 2025 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts in Erlangen die Topographie der Glykokalyx, der Zuckerhülle von Körperzellen, in einer bislang unerreichten Auflösung dargestellt. Möglich wurde dies durch die Kombination von Einzelmolekül-Hochauflösungsmikroskopie und Click-Chemie, zwei Methoden, die er in seiner Postdoc-Zeit in Stanford erlernte.
Auf dieser Grundlage erstellt er einen Atlas der Glykokalyx verschiedener Zelltypen und -zustände: Darin erfasst er unter anderem Krebszellen, die ihre Zuckerhülle vergrößern, um sich vor Immunzellen zu tarnen. Außerdem untersucht er sowie Immunzellen, die ihre Glykokalyx innerhalb weniger Minuten umbauen, nachdem sie in Alarmbereitschaft versetzt wurden.
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„Die drei Preisträger haben in ihrer bisherigen Karriere eindrucksvoll den Mut bewiesen, neue, ungewisse Wege einzuschlagen. Ihre Kreativität und Entschlossenheit belohnen wir mit dem Life Sciences Bridge Award, damit sie ihre erfolgreiche Forschung im akademischen Bereich fortsetzen können.“
Life Sciences Bridge Award
Dr. Jonathan Bohlen
Prof. Dr. Lukas Kunz
Prof. Dr. Leonhard Möckl
Frankfurt am Main