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Jahresbericht

Mehr Geld für Kultur und Wissenschaft

In 2010 hat die Aventis Foundation ihre Fördersumme erhöht, gestützt auf erneut gute Erträge aus den Finanzanlagen und einen Wertzuwachs beim Stiftungsvermögen. Außerdem gab es ein Jubiläum zu feiern: Der Rolf Sammet-Fonds der Aventis Foundation wurde 25 Jahre alt.

Die Aventis Foundation hat im Jahr 2010 Projekte in den Bereichen Kultur, Gesundheit sowie Wissenschaft und Forschung mit insgesamt € 1,6 Mio. unterstützt; im Vorjahr waren es € 1,4 Mio. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Nachwuchsförderung im Kulturbereich sowie die Förderung der Naturwissenschaften auf den Forschungsgebieten Chemie, Biologie, Medizin.

Weitere Stichpunkte zum Jahresverlauf 2010:

Damit konnte die Stiftung in 2010 sowohl neue Initiativen anstoßen als auch erfolgreiche mehrjährige Projekte fortsetzen oder verlängern. Bei erhöhter Fördersumme und gestiegenem Vermögenswert wurde gleichzeitig der Verwaltungsaufwand gesenkt.

Kultur

Professionelle Arbeit zur Nachwuchsförderung In einer auf drei Jahre angelegten Partnerschaft fördert die Aventis Foundation ab der Spielzeit 2009/2010 die Ur- und Erstaufführungen des Schauspiel Frankfurt unter der – zu diesem Zeitpunkt beginnenden – Intendanz von Oliver Reese und unterstützt damit junge Künstler und neue Formate, die sich den Themen unserer Zeit annehmen. So kann das Schauspiel Frankfurt junge Dramatik, Uraufführungen und Stückentwicklungen als zentrale Linie in den Spielplan aufnehmen und damit insbesondere den Nachwuchsautoren am Theater Chancen eröffnen.

In der Reihe eXperimente, die anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Aventis Foundation im Jahr 2006 begonnen wurde, konnten 2010 weitere fünf Kulturprojekte zur Nachwuchsförderung ausgezeichnet werden. Dies waren namentlich Konzerte der Jungen Deutschen Philharmonie, Theater- und Kunstprojekte in Zusammenarbeit mit Schülern und Jugendlichen sowie museumspädagogische Initiativen des Museums für Moderne Kunst und des Städelmuseums.

Damit wurden nunmehr 24 Initiativen im Rhein-Main-Gebiet gefördert, die Kinder und Jugendliche an kulturelle Themen heranführen, sie für Kunst, Musik oder Literatur begeistern und ihnen dadurch Anregungen und Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung bieten. Die Projekte werden von einer Jury vorgeschlagen und vom Vorstand der Aventis Foundation ausgewählt. Jedes Projekt erhält einen Betrag von bis zu € 50.000 als einmaligen Zuschuss.

Die sehr erfolgreiche Reihe eXperimente wird 2011 mit sechs weiteren Projekten fortgesetzt. Diese ausgewählten Kulturprojekte wurden im November 2010 der Presse in Frankfurt vorgestellt. Die bis dato geförderten Initiativen in der Reihe eXperimente wurden in 2010 weiterhin kommunikativ begleitet und unterstützt. Zu einzelnen Veranstaltungen oder Ausstellungen der eXperimente-Partner wurden Pressemitteilungen veröffentlicht, Hilfestellung bei der Gestaltung von Plakaten, Flyern u. ä. gegeben oder gemeinsame Photo- und Pressetermine organisiert. Ein monatlicher Projektbericht informierte alle Partner über die ganz unterschiedlichen Aktivitäten im entstehenden eXperimente-Netzwerk.

Die Förderung durch die Aventis Foundation ermöglichte es der Oper Frankfurt seit 2004, in der alternativen Spielstätte Bockenheimer Depot in Frankfurt regelmäßig ein Repertoire von außergewöhnlichem Musiktheater – wie Barockopern oder zeitgenössische und experimentelle Stücke – zu verwirklichen. Diese sechsjährige, sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem der besten Opernhäuser Europas endete in 2010 nach Auslaufen der Fördervereinbarung.

Auch das Lucerne Festival wird von der Aventis Foundation nachhaltig unterstützt. Die Aventis Foundation gehört seit Gründung der Lucerne Festival Academy zum Kreis der Förderer. Die Academy wird von Pierre Boulez geleitet und gibt rund 140 hochbegabten, jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt jährlich in einem mehrwöchigen Sommerkurs die Möglichkeit, sich intensiv mit zeitgenössischer Musik vertraut zu machen. In täglichen Proben und Workshops wird den Teilnehmern das notwendige Rüstzeug zur Interpretation neuer Musik vermittelt; zum Abschluss gehört ein Konzert in Orchesterformation im Rahmen des Festivals.

Außerdem förderte die Aventis Foundation in 2010 das Ensemble Modern, die Alte Oper Frankfurt, das World Doctors Orchestra, die Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker, die Deutsche Stiftung Musikleben, die Akademie der Künste in Berlin als Mitglied der Gesellschaft der Freunde, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Goethe Festwoche in Frankfurt am Main sowie weitere Kulturinstitutionen und -projekte.

Gesundheit

Kampf gegen die Tuberkulose in Südafrika
Das Projekt TB Free zur Bekämpfung der Tuberkulose in der Republik Südafrika besteht seit 2003 und hat bis Ende 2010 über 40.000 Hilfskräfte zur Patientenbetreuung geschult. Sie werden von Trainern des Projekts TB Free in einwöchigen Kursen ausgebildet und anschließend bei der langwierigen Behandlung von Tuberkulosekranken vor Ort eingesetzt. TB Free betreibt in jeder der neun Provinzen des Landes einen Stützpunkt, ausgestattet mit Kommunikationstechnik und mit Fahrzeugen, um die Schulung solcher Patientenbetreuer in Kliniken, Gemeindezentren, Betrieben, Minen oder auch Brennpunkten wie Gefängnissen zu organisieren und durchzuführen. In 2009 wurde ein eigenes einheitliches System zur Evaluation der Arbeit von TB Free entwickelt und eingesetzt.

Ein zweiter Schwerpunkt von TB Free ist die Aufklärung und Information über die Tuberkulose-Erkrankung und -Therapie. Dazu gehören Kampagnen vor Ort, sogenannte „door to door campaigns“ mit Handzetteln und persönlichen Gesprächen ebenso wie der professionelle Einsatz von Massenmedien. Dabei bedient man sich zunehmend der Wirkung von Radiospots in den 10 offiziellen Sprachen des Landes sowie von Plakaten und Zeitungsanzeigen. TB Free nimmt an nationalen Kampagnen der Gesundheitsbehörden und an „Road Shows“ teil. Ziel der Aufklärungskampagnen in den besonders betroffenen Regionen ist es, die Krankheit zu enttabuisieren, die Ansteckungsgefahr einzudämmen, Menschen mit Verdacht auf TB zur Diagnose und letztlich zu einer erfolgreichen Behandlung zu führen.

Gemeinsam mit der Nelson Mandela Foundation unterstützt die Aventis Foundation TB Free und setzt insgesamt rund € 15 Millionen – gespendet von Sanofi-Aventis Deutschland – für das Projekt ein. Die Fördermittel ermöglichen es nach dem Stand Ende 2010, TB Free in seiner jetzigen Struktur bis Ende 2011 zu finanzieren. Es wird angestrebt, die Arbeit von TB Free in Kooperation mit den südafrikanischen Gesundheitsbehörden fortzusetzen und dabei auf die am stärksten betroffenen Distrikte des Landes zu konzentrieren.

Bildung und Wissenschaft

Schnittmengen zwischen Chemie, Biologie und Medizin
Die Aventis Foundation fördert im Rahmen der Aventis-Stiftungsprofessur für Chemische Biologie seit 2007 zwei Lehrstühle im Fachbereich Biowissenschaften der Goethe- Universität Frankfurt. Die Stiftungsprofessuren sollen die fachübergreifende Zusammenarbeit in den Biowissenschaften stärken. Der Brückenschlag zwischen Biologie und Chemie verspricht neue medizinische Erkenntnisse in der Erforschung bisher unheilbarer Krankheiten.

Die von der Universität Heidelberg/Mannheim und dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg eingerichtete Aventis-Stiftungsprofessur für Vaskuläre Biologie und Tumorangiogenese bestand Ende 2009 seit fünf Jahren. Sie dient der Forschung und Lehre zum Thema Blutgefäße und widmet sich dabei insbesondere deren Rolle beim Wachstum von Tumoren. Vertragsgemäß wurde 2010 eine internationale wissenschaftliche Evaluation durchgeführt, um über eine Fortsetzung der Professur zu entscheiden. Aufgrund der positiven Gutachten fördert die Aventis Foundation die Stiftungsprofessur für weitere fünf Jahre.

Außerdem wurde 2010 im Bereich Bildung und Wissenschaft die Robert-Koch-Stiftung unterstützt.

In 2010 wurden erstmalig das Dozentenstipendium und das Doktorandenstipendium der Aventis Foundation im Rahmen der Stipendienprogramme des Fonds der Chemischen Industrie in Frankfurt am Main vergeben. Beide Stipendien werden langfristig von der Aventis Foundation finanziert. Sie richten sich vornehmlich an Kandidaten, die auf dem Gebiet der Chemie/Biochemie forschen. Die Auswahl von Kandidaten und die Betreuung der Stipendiaten übernimmt der Fonds der Chemischen Industrie. Diese Vereinbarung zur organisatorischen Zusammenarbeit wurde getroffen, um ein hohes fachliches Niveau dieser Spitzenförderung zu gewährleisten und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand dauerhaft zu minimieren.

Die beiden Stipendienprogramme gehen zurück auf den Karl Winnacker-Fonds und den Hoechst Studienfonds, die über Jahrzehnte Stipendien an habilitierte Wissenschaftler beziehungsweise an Diplomanden und Doktoranden vergeben haben.

Die vom Rolf Sammet-Fonds der Aventis Foundation in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität Frankfurt vergebene Gastprofessur konnte 2010 ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Aus diesem Anlass organisierte die Goethe-Universität gemeinsam mit der Aventis Foundation im Oktober am Fachbereich Chemie ein Symposium, auf dem mit den Professoren Jean-Marie Lehn, Gerhard Ertl und Venki Ramakrishnan drei Nobelpreisträger und ehemalige Sammet-Gastprofessoren Vorträge vor einem mit Studenten und Gästen voll besetzten Hörsaal hielten. Eine Publikation zu den 25 Rolf-Sammet-Gastprofessoren, die auch im Internet verfügbar und recherchierbar ist, dokumentiert anlässlich des Jubiläums die erfolgreiche Geschichte dieser hochrangigen Wissenschaftsförderung.