Editorial

Hebelwerk

An dieser Stelle soll einmal offen über Geld gesprochen werden. Wir haben ein recht volatiles Aktienjahr hinter uns, und Renten bringen kaum noch etwas ein. Für Stiftungen, die wie wir ihre Mittel am Kapitalmarkt verdienen und größtenteils auf Wertpapiererträge angewiesen sind, führt die nun schon lange währende extreme Niedrigzinsphase zu Kopfzerbrechen. Wir sind laut Gesetz dazu verpflichtet, unser Grundstockvermögen „ungeschmälert zu erhalten“, was streng genommen bedeutet, dass nur sehr risikoarme Anlageklassen infrage kommen, also zum Beispiel solide Staatsanleihen. Wenn solche Staatsanleihen aufgrund der Geldpolitik aber jetzt teilweise negative Renditen aufweisen, führt die Vorschrift offensichtlich ad absurdum.

Natürlich hat die Aventis Foundation seit Beginn ihres Bestehens nicht nur in Staatsanleihen investiert, sondern auch in Aktien, Unternehmensanleihen und andere Anlageformen. Damit steigen die Renditechancen, aber auch die Verlustrisiken und damit die persönlichen Risiken der Mitglieder der Stiftungsgremien, die Verantwortung tragen für die Investitionsentscheidungen. Aber anders sind ein realer, also inflationsbereinigter Vermögenserhalt sowie ausreichende Mittel zur Erfüllung des Stiftungszwecks nicht zu erwirtschaften.

Die Aventis Foundation hat bereits früh die Maßgaben für Transparenz im gemeinnützigen Sektor erfüllt und veröffentlicht seit Jahren unter anderem die Kennzahlen zu Vermögen, Fördersumme und Verwaltungsaufwand. So auch im vorliegenden Jahresbericht, der einen Vermögenswert von € 68,4 Mio. und eine Fördersumme in Höhe von € 2,3 Mio. ausweist. Seit ihrer Gründung 1996 hat die Stiftung eine durchschnittliche jährliche Rendite von knapp 5 % erzielt, mit der rund € 2 Mio. für satzungsmäßige Leistungen und € 0,4 Mio. für Verwaltung pro Jahr  finanziert sowie ein realer Vermögenserhalt dargestellt werden konnten.

Nach starken Einbrüchen an den Kapitalmärkten, wie 2002 und 2008 oder zuletzt 2011, sind zum Ausgleich über Jahre hinweg weit höhere Renditen nötig. In den vergangenen vier Jahren konnten wir durchschnittlich 8,5 % per annum erreichen. Aber dies bleiben immer Momentaufnahmen. Wir werden uns in nächster Zeit wohl auf deutlich bescheidenere Raten einstellen müssen.

Wie dem auch sei: Als fördernde Stiftung können wir flexibel auf die Situation reagieren. Da wir Projekte nicht selbst durchführen, sind unsere Fixkosten verhältnismäßig gering, und das Förderbudget lässt sich mittelfristig planen und anpassen. Trotzdem sind wir bestrebt, kein Auf und Ab zeigen zu müssen, sondern möglichst kontinuierlich arbeiten und fördern zu können.

Nach unserer Erfahrung gibt es in Kunst und Kultur weit mehr Ideen, Talente, Kapazitäten und Fundi als es Mittel gibt, dieses Potenzial zur Geltung zu bringen. Und Mittel heißt hier schlicht Geld. Deshalb konzentrieren wir uns auf die geldwerte Förderung und nehmen für uns nicht in Anspruch, die Szene mit eigenen Projektideen, Leuchttürmen und dergleichen zu bereichern. Wir wollen vielmehr mithelfen, das vorhandene Potenzial zu heben. Idealerweise erzielen wir dabei eine Hebelwirkung. Partnerschaften von Stiftungen sind sehr gut geeignet, diese Hebelwirkung gemeinsam noch zu verstärken. Und digitale Formen wie das Crowdfunding erschließen zusätzliche Optionen, ermöglichen die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger und schaffen eine neue Transparenz in der Kulturförderung und - finanzierung.

Die Aventis Foundation hat im Verlauf des Jahres 2015 insgesamt 55 Projekte im Bereich Kultur sowie 11 Projekte im Bereich Bildung und Wissenschaft unterstützt und insgesamt € 2,3 Mio. für Förderprojekte aufgewendet.

Kultur und Kultur 

Die Aventis Foundation setzt in ihrer Kulturförderung Schwerpunkte bei der Jugend- und Nachwuchsförderung sowie regional im Rhein-Main Gebiet und in Berlin. Dabei unterstützen wir sowohl Kulturinstitutionen, die neue Konzepte planen und langfristig etablieren wollen, als auch einzelne Kulturereignisse und Vorhaben, solange sie sich auf hohem professionellem und künstlerischen Niveau bewegen und dabei neue, experi- mentelle Wege der Darstellung und Vermittlung einschlagen.

  • Die beiden Kultur-Reihen der Aventis Foundation, „eXperimente“ zur Nachwuchs- förderung und „kulturMut“ als Crowdfunding Kampagne, wurden 2015 erfolgreich fortgesetzt.

  • Das von der Aventis Foundation exklusiv geförderte ausstellungsbegleitende „Digitorial“ zur Monet Ausstellung des Städel Museums in Frankfurt war mit 260.000 Aufrufen ein großer Publikumserfolg und erhielt den Grimme Online Award 2015 im Bereich Kultur und Unterhaltung.

  • Erstmalig von der Aventis Foundation unterstützt wurde die Junge Norddeutsche Philharmonie mit einem innovativen Konzertprojekt in der Arena Berlin.

  • Im Mittelpunkt des von der Aventis Foundation geförderten „Stockhausen Festivals“ der musica viva in München stand die erstmalige Aufführung sämtlicher Klavierkonzerte des Komponisten.

  • Das aus der Zusammenarbeit des Literaturhauses Frankfurt mit dem Museum für Moderne Kunst entstandene und von der Aventis Foundation maßgeblich geförderte Projekt „Acht Betrachtungen“ führte Schriftsteller und Publikum zusammen zur Re exion über zeitgenössische Kunstwerke.

  • Im Rahmen der Reihe „Schauspiel Frankfurt International“, die von der Aventis Foundation in einer auf drei Jahre angelegten Partnerschaft gefördert wird, hatte Mitte April eine Inszenierung des franko-kanadischen Choreografen Dave St-Pierre Premiere, die sich mit Shakespeares Tragödienstoff „Macbeth“ auseinandersetzte.

Bildung und Wissenschaft

Die Aventis Foundation fördert Bildung und Wissenschaft und setzt dabei einen Schwerpunkt in den Bereichen Chemie/Biologie und ihrer Verbindung zur Medizin.

  • Die von der Universität Heidelberg-Mannheim und dem Deutschen Krebsforschungs- zentrum Heidelberg eingerichtete Aventis Stiftungsprofessur für vaskuläre Biologie und Tumorangiogenese dient der Forschung und Lehre zum Thema Blutgefäße und widmet sich dabei insbesondere deren Rolle beim Wachstum von Tumoren. Die Aventis Foundation hat diesen Lehrstuhl seit seiner Einrichtung 2005 über einen Zeitraum von 10 Jahren gefördert. Nach Abschluss dieser Förderung in 2015 wird der Lehrstuhl vom Land Baden-Württemberg übernommen und verstetigt.

  • Zur Erinnerung an Paul Ehrlich, der vor 100 Jahren starb, zeigten das Medizinhistorische Museum Charité und das Historische Museum Frankfurt in Kooperation die Ausstellung „Arsen und Spitzenforschung“ zu den bahnbrechenden Forschungsarbeiten des Nobelpreisträgers und Begründers der Chemotherapie. Die Aventis Foundation unterstütze die Ausstellungen in Berlin und Frankfurt am Main als Hauptförderer.

  • Um einen Beitrag zur aktuellen, drängenden Flüchtlingsproblematik zu leisten, hat die Aventis Foundation mit der Goethe Universität Frankfurt kurzfristig die Förderung des „Academic Welcome Program“ an der Hochschule vereinbart, das entsprechend quali zierten Flüchtlingen den Zugang zu universitärer Bildung und mithin die Integration in Deutschland erleichtern soll.

  • Auch 2015 konnten wieder der Hoechst Dozentenpreis und das Hoechst Doktoranden- stipendium an eine hervorragende habilitierte Wissenschaftlerin beziehungsweise an einen Doktoranden vergeben werden. Der fachliche Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der Biologischen Chemie.

  • Die von der Aventis Foundation  nanzierte Raymond Barre Gastprofessur an der Goethe- Universität Frankfurt wurde 2015 an die Wirtschaftswissenschaftlerin Pascaline Dupas von der Stanford University vergeben.

  • Die Aventis Foundation gehört zum Förderkreis der Robert Koch Stiftung in Bonn und hat die Verleihung von Wissenschaftspreise und Stipendien in 2015 erneut mit einem Förderbetrag unterstützt.