Editorial

Grenzen des Digitalen 

Die Aventis Foundation feierte ihr 20-jährigen Bestehen im Oktober 2016 mit dem Symposium „experimente#digital“ und dem Start der gleichnamigen Kultur-Förderreihe. Das Jubiläum sollte somit weniger in die Vergangenheit als vielmehr in die Zukunft weisen. Und zwar sehr konkret in eine nahe Zu- kunft, die durch die neueste digitale Technik und deren Vernetzung geprägt wird. Wie verändert die dynamische Entwicklung digitaler Medien das Kul- turleben und –erleben? Wie verändert die schier unbegrenzte Verfügbarkeit von digital vermittelten Informationen und Reizen das Kommunikations- verhalten der Menschen, ihre Bereitschaft, sich auf ein kulturelles Angebot einzulassen? Wie können Kultureinrichtungen und Künstler auf den Wandel reagieren, um mit ihrem Publikum – vor allem jüngeren Zielgruppen – auf der Höhe der Zeit zu bleiben? Und müssen sie dies überhaupt, müssen Gaming, Apps, Virtual Reality und anderes überall Einzug halten, oder sollten Kul- turinstitutionen ihre Aufgabe eher in der Bewahrung traditioneller Kultur- techniken sehen? 

Mit diesen Fragen beschäftigten sich Experten und Teilnehmer auf dem Symposium. Naturgemäß gab es keine abschließenden Antworten, aber viele Anregungen und einen regen Austausch von Ideen und Erfahrungen.

Der Dialog wurde – themengerecht und medienspezi sch – auf dem Blog experimente.aventis-foundation.org öffentlich dokumentiert. Und er findet seine Fortsetzung, denn die in der Förderreihe „experimente#digital“ ausgezeichneten Projekte sollen auf dem Blog künftig ihre Aktivitäten schildern und begleitend kommentieren. Ergänzt durch Beiträge von externen Fachleuten entsteht – so hoffen wir – mit der Zeit eine lebendige, anregende Plattform mit Beispielen und Fallstudien. 

Die Herausforderungen für Kultur im „analog-digitalen Raum“ sind jeden- falls immens, und Antworten und Lösungen werden nur in praktischer, experimenteller Projektarbeit zu finden sein. Bei solchen Projekten und Konzepten soll „experimente#digital“ die Künstler und Kulturmanager unterstützen. 

Damit entwickelt auch die Stiftung selbst ihr Programm und Förderportfolio weiter und stellt sich auf neue Themen ein. Darüber werden aber die hergebrachten Linien der Förderung nicht aufgegeben. Musik, Theater, Oper und Tanz, Literatur, Bildende Kunst und audiovisuelle Kunst sind eigentliche kreative kulturelle Quellen. Hier wirken professionelle Ausbildung und Können verbunden mit kulturhistorischem Wissen und aktueller gesellschaftlicher Re exion gegen das Serielle und Triviale. Hier entstehen neue Formen und Inhalte. Ohne diese sinnstiftenden Quellen erscheint auch der technisch noch so perfekte digitale Raum wie ein Ozean der Banalitäten. 

Entsprechend hat sich die Stiftung in den vergangenen 20 Jahren der Förderung von professionellen, künstlerisch anspruchsvollen Kulturprojekten gewidmet und wird das auch weiterhin tun. Die Themen kulturelle (Nachwuchs-)Bildung und Vermittlung gehören dazu und bilden seit jeher einen Schwerpunkt der Förderung der Aventis Foundation. Gerade bei Letzterem spielen digitale Angebote als eine sehr dynamische, technikgetriebene Komponente zunehmend eine Rolle. Auf diese Weise verschwimmen vielfach die Grenzen zwischen analoger und digitaler Technik im Kulturbetrieb – die zwischen Kunst und Trivialität aber werden bleiben. 

Die Aventis Foundation hat im Verlauf des Jahres 2016 insgesamt 46 Projekte im Bereich Kultur sowie 8 Projekte im Bereich Bildung und Wissenschaft unterstützt und insgesamt 1,9 Mio. Euro für diese Förderungen aufgewendet.


Kultur und Kultur
 

Die Aventis Foundation konzentriert sich als überwiegend fördernde Stiftung auf künstlerisch anspruchsvolle Projekte professioneller Kultureinrichtungen im Rhein-Main Gebiet und in Berlin. Dabei unterstützen wir sowohl Kulturinstitutionen, die neue Konzepte planen und langfristig etablieren wollen, als auch Einzelveranstaltungen, solange sie sich auf hohem Niveau bewegen und neue, experimentelle Wege der Darstellung und Vermittlung eingeschlagen werden.

  • Im Rahmen der Förderreihe „eXperimente“ wurden 2016 vier Kulturprojekte zur Jugend- und Nachwuchsförderung ausgezeichnet. Nach zehn Jahren und der Unterstützung von insgesamt 58 Kulturprojekten wurde die Reihe beendet. 
  • Nachfolger ist die Förderreihe „experimente#digital“, die anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Stiftung im Oktober 2016 mit einem Symposium gestartet ist und digitale Projekte und Konzepte von Kulturinstitutionen unterstützt. 
  • Für die Crowdfunding-Kampagne „kulturMut“ 2016/17 konnte der Kulturfonds Frankfurt RheinMain als Partner gewonnen werden. 
  • Mit einem maßgeblichen Betrag unterstütze die Aventis Foundation die erstmalig vom Ensemble Modern in Kooperation mit der Oper Frankfurt veranstalteten „heim.spiele“, die innerhalb eines Monats eine Werkschau zeitgenössischer Musiktheater-Produktionen boten.
  • Im Berliner Radialsystem V konnte das Publikum eine von der Aventis Foundation geförderte „Radiale Nacht“ mit Teodor Currentzis, seinem Ensemble MusicAeterna und Tänzern der Compagnie Sasha Waltz erleben. 
  • Das Jüdische Museum Frankfurt nutzte die Zeit des Museumsumbaus, um mit einem von der Aventis Foundation geförderten „Pop Up Boat“ auf dem Main ein temporäres Forum für jüdische Kultur der Gegenwart zu schaffen. 
  • Über Spielorte in der ganzen Stadt Frankfurt verteilte sich über 24 Stunden das Konzertprojekt der Alten Oper Fankfurt „One Day in Life“, das von der Aventis Foundation als ein Hauptförderer ermöglicht wurde. 

 

Bildung und Wissenschaft

Die Aventis Foundation fördert Bildung und Wissenschaft und setzt dabei einen Schwerpunkt in den Bereichen Chemie/Biologie und ihrer Verbindung zur Medizin.

  • Der jährlich vergebene Hoechst Dozentenpreis der Aventis Foundation ging an Prof. Dr. Stefan Huber, der an der Universität Bochum und der TU München im Bereich Organische Chemie an der Erforschung von organischen Katalysatoren arbeitet.
  • Das Hoechst Doktorandenstipendium der Aventis Foundation 2016 erhielt Julie Pieper, Doktorandin im Bereich Chemie der Universität Köln, für herausragende Leistungen in ihrer Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Organischen Synthese.
  • Die Aventis Foundation hat 2016 fünf Deutschlandstipendien an der Provadis Hochschule zur Unterstützung besonders begabter und leistungsfähiger Studenten übernommen.
  • Mit der maßgeblichen Förderung der Initiative der Goethe Universität Frankfurt „Start ins Deutsche – Studierende unterrichten Flüchtlinge“ hat die Aventis 2016 erneut einen Beitrag zur Quali zierung und Integration von Flüchtlingen geleistet.
  • Die Aventis Foundation gehört zum Förderkreis der Robert Koch Stiftung in Bonn und hat die Verleihung von Wissenschaftspreisen und Stipendien in 2016 mit einem Förderbetrag unterstützt.