Kultur Rhein-Main

Fragile Balancen

Kultur Rhein-Main

Choreografen und Tänzer verstehen es, besser als alle anderen, Bilder und Erfahrungsräume für die fragilen Balancen zu finden, die wir aktuell pandemiebedingt als Individuum, als Kulturinstitution aber auch als Gesellschaft erleben. „Fragile Balancen“ lautete deshalb auch das Motto der diesjährigen fünften Jubiläumsausgabe, die Ende Oktober im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt eröffnet wurde. Auf Grund der aktuellen pandemiebedingten Einschränkungen war zu diesem Zeitpunkt noch unklar, wie sich der weitere Ablauf des Festivals gestalten würde. Die Aventis Foundation fördert dieses Festival und seinen Initiator, die Tanzplattform RheinMain, gemeinsam mit anderen Frankfurter Stiftungen, in einer mehrjährigen Partnerschaft.

Um das Weltklima als einem System, das außer Balance zu geraten droht, ging es in der Produktion „New Ocean Sea Cycle“ am Eröffnungsabend. Richard Siegal und das Ensemble „Ballet of Difference“ erinnerten mit dieser Kölner Erfolgsproduktion an andere dringliche Krisen jenseits der Pandemie. Der US-Choreograf konzentrierte sich auf den immer kritischer werdenden Zustand unseres Planeten. Gemeinsam mit dem Lichtdesigner Matthias Singer hatte Siegal einen Algorithmus entwickelt, der die Struktur der Choreografie in Abhängigkeit zum schmelzenden Eis der Polregion bestimmt. Jeder getanzte „Sea Cycle“ ist einem anderen, neu entstandenen Polarmeer gewidmet und geht streng mathematisch von dessen Daten aus. In einem Dreiklang aus Lichtsteuerung, elektronischer Musik und Choreografie halten die Tänzer, virtuos auf Spitze getanzt, das Gleichgewicht – nicht nur zwischen Bewegung und Pose, sondern auch zwischen vorgegebener Struktur und der autonomen Entscheidung jedes einzelnen. Zufallsprozesse sind choreografisches Konzept. Jede Bewegung kann jeder anderen folgen und jede Bewegung ist erlaubt. Zwei dieser insgesamt 14 Sea Cycles sind im Rahmen des Tanzfestivals RheinMain zu sehen.

Das Festival zeigt im November mit Aufführungen in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden herausragende Inszenierungen zeitgenössischer Choreografie. Es schlägt eine Brücke zwischen der lokalen Tanzlandschaft und internationalen Choreografen, zwischen professionellen Tänzern und tanzbegeisterten Amateuren. Veranstaltet wird es von der Tanzplattform RheinMain, die vom Mousonturm Frankfurt und dem Hessischen Staatsballett getragen wird. Sie ist Ansprechpartner für zeitgenössischen Tanz und Choreografie, Tanzvermittlung, Tanz in Schulen und künstlerische Forschung. Sie trägt wesentlich zur Sichtbarkeit und Stärkung der Kunstform Tanz im Rhein-Main-Gebiet bei. Professionelle Tanzschaffende, das tanzinteressierte Publikum sowie Studierende der Studiengänge Tanz, Choreografie und Theater sind ebenso Adressaten der vielfältigen Aktivitäten wie tanzbegeisterte Kinder, Jugendliche und erwachsene Laien. Dabei liegt der Fokus auf dem Verstetigen bereits existierender Angebote, dem Vertiefen und Erweitern vorhandener Kenntnisse und Fragestellungen und der Weiterentwicklung bestehender Konzepte von Tanz und Choreografie.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet. 

 

Foto: Tanzfestival Rhein-Main, New Ocean Sea Cycles © TS_TSC