experimente#digital - eine Kulturinitiative der Aventis Foundation

Begehbare Partitur im virtuellen Raum

experimente#digital - eine Kulturinitiative der Aventis Foundation

Ende September hatte im „Werner-Otto-Saal“ des Konzerthauses Berlin eine Erfahrungswelt Premiere, die mit den Mitteln der Virtuellen Realität einen vollkommen neuen und sehr individuellen Zugang zur Entstehung von Musik ermöglicht. Zum 200-jährigen Jubiläum des Konzerthauses in der Saison 2020/21 war dieses Auftragswerk „Umwelten“ als Kooperationsprojekt an einen Komponisten, einen visuellen Künstler und die Entwickler der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin vergeben worden. Die Aventis Foundation unterstützte dieses Projekt im Rahmen ihrer Kulturinitiative „experimente#digital“. Dabei werden jedes Jahr Kulturinstitutionen gefördert, die besondere digitale Projektideen entwickeln und realisieren. Begleitet wird die Umsetzung dieses und aller anderen geförderten Vorhaben auf dem Blog http://experimente.aventis-foundation.org

„Umwelten“ ist eine begehbare Partitur, mit der man lebendige Kompositionen entstehen lassen kann. Ausgestattet mit einer VR-Brille finden sich die Nutzer inmitten eines fremdartigen Gartens wieder. Sie hören Geräusche, Klänge und Sounds, die von all den virtuellen Gewächsen um sie herum stammen. Die Nutzer können sich frei durch diesen fremden Kosmos bewegen, kontemplativ zuhören und staunen – oder aber selbst Teil der Komposition werden. Ziehen sie zum Beispiel an Blütenstengeln oder bringen Pflanzen miteinander in Berührung, so erklingen wiederum andere Töne. Steuern sie mit den Controllern der VR-Brille eine der Inseln an, die um den Garten kreisen, so entsteht auch hier ein neuer Klang. Quallenartige Wesen, Medusen gleich, verändern ihre Form, streicht man über ihre Tentakel – oder man pflückt Knospen und addiert deren Eigenklang mit dem von anderen Gewächsen.

Gemeinsam mit dem Konzerthausorchester Berlin entstanden die Tonaufnahmen für diese Klangwelten. Bei den Aufnahmen wurde großer Wert darauf gelegt, Klänge und Geräusche in ihre Grundstruktur aufzulösen. Mit traditionellen Spieltechniken gelangt man schnell an klangliche Grenzen. Deshalb wurden verschiedenste Hilfsmittel und Methoden eingesetzt, um ungewohnte und verfremdete Klänge aus Geigen, Celli, Flöten oder Trompeten zu holen. Je ungewöhnlicher die Techniken und das Zubehör, desto überraschender die atmosphärischen Klänge: Führten die Streicher zum Bespiel ihren Bogen über einen Spachtel, kamen Klänge zum Vorschein, die man einem solchen Werkzeug kaum zuordnen würde.

Stand am ersten Aufnahmetag das volle Sinfonieorchester im Fokus, konzentrierte man sich an den beiden darauffolgenden Tagen auf die Schlagzeuginstrumente und auf Aufnahme-Sessions mit Solisten. Auf diese Weise wurde ein breites Spektrum an sphärischen, kratzenden oder körperlosen Klängen erzeugt. Jetzt wird diese Installation im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen des Konzerthauses Berlin gezeigt. Tickets für die nächste Präsentation am 30.11.2020 kann man bereits erwerben. Wenn es möglich ist die digitale Ausstellung wieder zu öffnen, wird auch „Umwelten“ frei zugänglich sein und kann dann von allen Interessenten kostenfrei ausprobiert werden.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet. 

 

Foto: Interaktive Komposition © Konzerthaus Berlin, Markus Werner