Kultur Berlin

Brechts Baal am Berliner Ensemble

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Bertolt Brechts expressive Bühnenballade „Baal“ hatte Anfang September Premiere im Großen Haus des Berliner Ensembles, das jede Saison ein Stück seines Gründers im Spielplan präsentiert. In diesem Jahr inszenierte der junge Regisseur Ersan Mondtag (*1987) das Brecht-Stück als eines der Saisonhighlights des Berliner Ensembles. Für die Interpretation des Stoffes führte er Versatzstücke aus vier Baal-Fassungen der Jahre 1918 bis 1955 zusammen. Mondtag gilt als herausragendes Talent und schuf ein Gesamtkunstwerk, bei dem er Regie führte und Bühnenbild sowie Kostüme selber entwarf. Die Aventis Foundation unterstützte diese Produktion als Hauptförderer der Ur- und Erstaufführungen am Berliner Ensemble.

Die Inszenierung erzählte vom Leben des Künstlers Baal zwischen Genie und Wahnsinn. Von panischem Glücksverlangen besessen lebt er ein Leben, ganz im Zeichen der Kunst, das zwischen Rausch und Absturz wenig zwischenmenschlichen Raum lässt. Verhalten und Lebensweg Baals verstoßen gegen die moralischen und sozialen Normen seiner Zeit – und darüber hinaus. Die Figur Baal ist Sinnbild für eine Gesellschaft, in der die Bedeutung des Individuums den Wert der Gemeinschaft gesprengt hat und Solidarität nur noch ein lästiges Schlagwort alter Tage ist. Baals Verhalten ist asozial, aber in einer asozialen Gesellschaft. Heutzutage stellt sich die Frage nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Menschen neu, die Frage nach Respekt und Solidarität, nach der Möglichkeit und Notwendigkeit einer Begegnung auf Augenhöhe von Mensch zu Mensch. Ein Frage, mit der sich Regisseur Ersan Mondtag in seiner Interpretation des Stoffes intensiv auseinandersetzte.

Seit der neuen Intendanz von Oliver Reese in 2017 unterstützt die Aventis Foundation in einem nachhaltigen Programm über drei Jahre die Ur- und Erstaufführungen am Berliner Ensemble. Damit soll das Theater in die Lage versetzt werden, seine Tradition als Autorentheater im Sinne Bertolt Brechts wieder zu beleben und das Berliner Ensemble zu einem Theater für Gegenwartsdramatik zu machen. Die Stücke und Stoffe des Hauses sollen das Publikum direkt angehen, mit Problemen und Fragestellungen, die uns alle betreffen, und mit Figuren, die unserer Wirklichkeit nahe sind. Neben den Stücken der „klassischen Moderne“ sollen vor allem Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer nationaler und internationaler Dramatiker den Schwerpunkt im Spielplan bilden. Außerdem will das Berliner Ensemble selbst Stoffe von gesellschaftlicher und politischer Relevanz dramatisieren und strebt dazu eine enge Zusammenarbeit mit Autoren, Schriftstellern und Verlagen an.

Im Januar 2020 hat die Komödie „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza im Großen Haus Premiere – ein Vexierbild gesellschaftlicher Rollenkonflikte, das zwischen Witz und Banalität fast jeden menschlichen Abgrund eröffnet. Die Aventis Foundation fördert auch diese Inszenierung der vielfach ausgezeichneten Opern- und Theaterregisseurin Andrea Breth, die nach zehn Jahren Abstinenz wieder Schauspiel in Berlin inszeniert.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet.  


Foto: Berliner Ensemble, Baal © Birgit Hupfeld