Schauspiel Frankfurt

Ein Ausbildungsjahr am Schauspiel

Schauspiel Frankfurt

Junge Nachwuchsschauspieler begaben sich Anfang Mai in Falk Richters Stück „Rausch“ auf die Suche nach Ausbruchsmöglichkeiten aus ihrer digitalisierten und kommerzialisierten Lebenswelt. Diese Premiere des Schauspiels Frankfurt im Bockenheimer Depot war Teil des Projektes „Studiojahr Schauspiel“ – eine Kooperation des Schauspiels Frankfurt mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Die Aventis Foundation fördert in einer nachhaltigen Partnerschaft seit der Spielzeit 2017/18 über drei Jahre diese Maßnahme, die in einzigartiger Weise universitäre Ausbildung mit theatraler Praxis verbindet.

Dabei wird der gesamte dritte Ausbildungsjahrgang mit acht Studierenden in das Ensemble aufgenommen und übernimmt Rollen im laufenden Spielplan. Die Studierenden profitieren von dem gemeinsamen Spiel mit den erfahrenen Kollegen des Ensembles und finden immer noch den Rückhalt in der Gruppe und den Schutz der Ausbildung. Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen können die unterschiedlichen Theaterformen in den Spielstätten des Schauspiels Frankfurt – in den Kammerspielen, auf der Bühne des Schauspielhauses und im Bockenheimer Depot – erproben, erfahren und professionalisieren. Der Einsatz der Studierenden am Schauspiel Frankfurt ist in Modulen strukturiert. Die Studierenden des Studiojahrs kommen in Aufführungen des Spielplans, in Klassenzimmerstücken, in Stadtprojekten sowie in Projekten der kulturellen Bildung zum Einsatz, so dass sie

die Vielfältigkeit eines Stadttheaters erleben und zugleich unterschiedlichste Arbeitsprozesse kennenlernen. Sie treten mindestens einmal in einem Repertoirestück am Schauspiel Frankfurt auf sowie in der sogenannten Jahresinszenierung der Hessischen Theaterakademie.

Jahresinszenierung dieser Spielzeit ist das Stück „Rausch“ von Falk Richter, in dem die jungen Schauspieler ihre Zuschauer an diesem Abend mitnahmen in eine Welt der rastlosen Dauer-Evaluierung und Selbst-Optimierung, in der sich durch Überforderung Unsicherheit und Unzufriedenheit breit gemacht hatte. Auf der Suche nach Bindung und sozialer Zugehörigkeit verwandelte sich auch die Liebe, als letzte Utopie, in einen heiß umkämpften Markt: Wann können wir wirklich sicher sein, die große Liebe gefunden zu haben? Kommt da nicht noch irgendwann etwas Besseres? Was, wenn der Rausch der Gefühle vorbei ist? Die Dialoge zeichneten das Bild einer Generation, die persönlichen und gesellschaftlichen Problemen scheinbar resigniert und handlungsunfähig gegenüber steht. Die opulenten, an Trachten erinnernden Kostüme machten die Figuren zu Prototypen einer nonverbalen Selbstdarstellung. Dabei bildeten die sich darunter verbergenden Krinolinen Schutzräume aber auch Käfige, aus denen sich die Schauspieler im Laufe des Stückes zunehmend befreiten. 

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet.  

Foto: Rausch, Studiojahr Schauspiel © Schauspiel Frankfurt, Jessica Schäfer