Goethe-Universität Frankfurt

Evolution komplexer Systeme

Goethe-Universität Frankfurt

Mit Ende dieses Jahres fand die Pilotphase des Forschungsprojektes „Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft“ an der Goethe-Universität Frankfurt ihren Abschluss. In einer nachhaltigen Partnerschaft über drei Jahre hatte die Aventis Foundation einen Entwicklungsschritt gefördert, in dem am Forschungskolleg Humanwissenschaften die Grundlagen für eine Verstetigung des Projektes gelegt werden konnten. Die inhaltlichen Ergebnisse und die Profilierung der Forschungsansätze und -perspektiven sind die Basis für einen Projektantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Laufe des kommenden Jahres und für eine Veröffentlichung in Buchform Anfang 2020.

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität aus verschiedenen Fachrichtungen entwickelten Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit Komplexität und für die Lösung komplexer Probleme. Das Team wurde unterstützt von fünf Fellows, die an Instituten und Universitäten in Düsseldorf, Washington, Montreal und Tel Aviv forschen. Übergreifendes Ziel des Projektes ist es, unterschiedliche Konzepte von Komplexität und deren theoretische Begründung aus einer fächerübergreifenden Perspektive zu untersuchen. Neben der individuellen Projektarbeit wurden Vorträge und Workshops zur inhaltlichen Fortentwicklung durchgeführt. Während des Sommersemesters 2019 fanden wöchentliche Komplexitäts-Kolloquien mit einem Abschlussworkshop statt. Außerdem waren externe Wissenschaftler zu Vorträgen und Workshops eingeladen, die die Arbeit des Projektes mit wichtigen Impulsen bereicherten und zu seiner Sichtbarkeit in Forschung und Öffentlichkeit beitrugen. Auch ein Gesprächskonzert „Komplexität in der Musik“ mit Werken für zwei Klaviere wurde in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt realisiert. Zentrales Ergebnis dieses Prozesses ist eine „Definition der Evolution komplexer Systeme“, die von allen beteiligten Wissenschaftlern getragen wird.

Durch die Fortführung dieses Projektes können nicht nur neue Muster für den praktischen Umgang mit Komplexität aufgezeigt werden, sondern auch neue Einsichten für die wissenschaftliche Forschung selbst gewonnen werden. Ein Ausgangspunkt ist die Wissenschaftsphilosophie. Sie definiert Komplexität als Eigenschaft von Systemen, die aufgrund des Zusammenwirkens ihrer Elemente ein unerwartetes und nicht zu prognostizierendes Verhalten zeigen. Die Fragen, ob und wie eine solche Definition sowohl auf naturwissenschaftliche Systeme als auch auf soziale Systeme angewandt werden kann, liegen auf der Hand und verdeutlichen die Notwendigkeit interdisziplinären Arbeitens. Das Projekt wird auch weiterhin die Natur- und Lebenswissenschaften mit den Geistes- und Sozialwissenschaften verbinden. Bisher führt es ein Forschungsteam aus zwei voneinander getrennt gelegenen Standorten der Universität, dem Campus Westend und dem Campus Riedberg, zusammen.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet. 

Foto: Die Forschergruppe »Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft« beim Arbeitstreffen mit dem südafrikanischen Kosmologen George Ellis am 01. April 2019 © Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt