Schauspiel Frankfurt

Monodramen des urbanen Lebens

Schauspiel Frankfurt

Drei neue Stimmen fügen sich in das urbane Kaleidoskop, das mit dem dreijährigen Projekt „Stimmen einer Stadt“ am Schauspiel Frankfurt entsteht. Anfang April hatte die zweite Staffel der Monodramen in den Kammerspielen Premiere. Seit letztem Jahr schreiben jeweils drei Autoren in drei aufeinanderfolgenden Spielzeiten ein Theaterstück, das am Schauspiel zur Aufführung kommt und von einer realen Biografie aus Frankfurt inspiriert ist. In einer nachhaltigen Partnerschaft fördert die Aventis Foundation dieses Kooperationsprojekt des Literaturhauses Frankfurt mit dem Schauspiel Frankfurt.

Die Autoren der drei Dramen, die an diesem Abend in Abfolge präsentiert wurden, hatten Menschen dieser Stadt getroffen, Gespräche geführt und diese Stadt- und Lebenserfahrungen zu einem Monodrama verdichtet. Am Ende wurde das Solo eines Lebens von einem Schauspieler dargestellt, durch den Videokünstler Philip Bussmann visuell begleitet und vom Intendanten Anselm Weber inszeniert. Die Auftragswerke stammen diesmal von der mehrfach ausgezeichneten und 2018 für den Deutschen Buchpreis nominierten Autorin Angelika Klüssendorf, dem Hamburger Autor Thomas Pletzinger sowie der aus Ostdeutschland stammenden Antje Rávik Strubel, die zahlreiche Literaturpreise und Stipendien für ihre ausdrucksstarken Romane erhielt.

In „Unvollkommene Umarmung“ interessierte sich Antje Rávik Strubel für das Unsichere unserer Identitäten, für die Frage, wer wir sind und für die Leerstellen in unseren Leben. Sie porträtierte einen Strafverteidiger, dessen Rückblick auf seine erfolgreiche Karriere feine Risse zwischen öffentlichem und privatem Leben offenbarte. Thomas Pletzinger zeigte sich in „Ich verlasse dieses Haus“ als ein Meister der literarischen Reportage. Sein Text verlieh einer Frau die Stimme, die den letzten,  unsentimentalen Rundgang durch ihr Hotel machte, das sie jahrelang mit trockenem Humor und praktischem Verstand geführt hatte. In »Branka« von Angelika Klüssendorf erzählte eine Wirtin am Ende eines arbeitsreichen Tages vom Verlust der Heimat, vom Neuanfang in Frankfurt und von einer scheinbar unauflöslichen, strukturellen Gewalt in ihrem Leben – einer Gewalt, der sie mit ihrem lauten und überbordenden »Branka-Lachen« begegnete.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie ist mit einem Stiftungskapital von 53 Mio. Euro ausgestattet.  

Foto: Stimmen einer Stadt, Unvollkommene Umarmung © Schauspiel Frankfurt, Felix Grünschloß