Kultur Berlin

Wenn sich das Leben selbst begegnet

Kultur Berlin

Mit der Simultan-Uraufführung des Stückes „Die Parallelwelt“ wurde Mitte September zeitgleich am Berliner Ensemble und am Schauspiel Dortmund die neue Spielzeit eröffnet. In zwei identischen Bühnenwelten wurde das wechselseitige Geschehen durch Videoübertragung sichtbar gemacht und ermöglichte so  Interaktion in Echtzeit. Die Aventis Foundation unterstützte dieses Projekt als  Hauptförderer der Ur- und Erstaufführungen am Berliner Ensemble.

Das Stück stammte von Kay Voges und Alexander Kerlin, dem Intendanten und dem Dramaturgen des Schauspiels Dortmund. Es erzählte die Geschichte eines Lebens, das sich selbst begegnete. An zwei Schauplätzen in Berlin und Dortmund standen sich Geburt und Tod, Kindheit und Alter, Liebe und Abschied fremd gegenüber und waren doch miteinander verbunden. Diese Konstellation führte zu folgenden Fragen: Was wäre, wenn die uns bekannte Welt irgendwo im Universum ein zweites Mal identisch existierte? Und was wäre, wenn durch einen Zufall in der kosmischen Ordnung das Geschehen in einer dieser Welten einen anderen Verlauf nehmen würde? Welche Alternativen hätten wir, wenn sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft begegneten? Und gibt es einen Weg, dem Schicksal zu entkommen? Die Zuschauer erlebten einen Abend mit existenziellen Fragen in einer experimentellen Inszenierung, deren Aufführungen auch im Repertoire-Betrieb an beiden Häusern immer parallel stattfinden.

Seit der neuen Intendanz von Oliver Reese in 2017 unterstützt die Stiftung in einem nachhaltigen Programm über drei Jahre die Ur- und Erstaufführungen am Berliner Ensemble. Damit soll das Theater in die Lage versetzt werden, seine Tradition als Autorentheater im Sinne Berthold Brechts wieder zu beleben und das Berliner Ensemble zu einem Theater für Gegenwartsdramatik zu machen. Die Stücke und Stoffe des Hauses sollen das Publikum direkt angehen, mit Problemen und Fragestellungen, die uns alle betreffen, und mit Figuren, die unserer Wirklichkeit nahe sind. Neben den Stücken der „klassischen Moderne“ sollen vor allem Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer nationaler und internationaler Dramatiker den Schwerpunkt im Spielplan bilden. Außerdem will das Berliner Ensemble selbst Stoffe von gesellschaftlicher und politischer Relevanz dramatisieren und strebt dazu eine enge Zusammenarbeit mit Autoren, Schriftstellern und Verlagen an.

Im Dezember 2018 hat „Wheeler“ von Tracy Letts im Kleinen Haus Premiere. Die Aventis Foundation fördert auch diese deutschsprachige Erstaufführung des Autors, Schauspielers und Pulitzer Preisträgers, der in seinen Stücken mit scharfem Blick das gegenwärtige Amerika seziert.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Berliner Ensemble, Die Parallelwelt © Birgit Hupfeld