Jüdisches Museum Frankfurt

Open House im neuen Jüdischen Museum

Jüdisches Museum Frankfurt

Das Jüdische Museum Frankfurt feierte Mitte November sein 30-jähriges Jubiläum und lud aus diesem Anlass zu einem Blick in die Zukunft ein – zu einem „Open House“ im Rohbau auf der Museumsbaustelle. Dieses kreative Format mit einem vielseitigen inhaltlichen Programm, zeitgenössischen Kunstausstellungen, Performances und Baustellenführungen wurde von der Aventis Foundation gefördert. Es bot den Besuchern Gelegenheit, die geplante Struktur des Ausstellungsprogramms und andere Themen rund um das neue Jüdische Museum sowie seine Architektur zu erkunden.

Die beiden am Frankfurter Mainufer gelegenen historischen Palais werden durch einen solitären Baukörper erweitert, der den zukünftigen Haupteingang des Museums bilden soll und die Bebauung zu den Wallanlagen hin abrundet. Aus diesem kraftvollen Monolith, der ein Gegengewicht zu den Bestandsbauten bildet, wurde eine zentrale Halle herausgeschnitten, die die verschiedenen Ebenen und Angebote des Neubaus mit der Dauerausstellung in den Altbauten und der Wechselausstellung im Untergeschoss verbindet. Die großen Sichtbetonflächen und der freie Raumzuschnitt schaffen einen beinahe archaischen Raumeindruck, dessen Wirkung durch den Lichteinfall von oben noch gesteigert wird. Bereits im Rohbau konnte man die Wirkung dieses Raumerlebnisses spüren.

Das Open House Programm reflektierte die Übergangssituation, in der sich das Jüdische Museum derzeit befindet und stellte sie in den Kontext der jüdischen Geschichte und Gegenwart. Eine zeitgenössische Kunstausstellung in den restaurierten Räumen des historischen Rothschild-Palais präsentierte eine Installation mit eingeschlossenen Erinnerungsfragmenten und eine Skulptur, die gebrauchte Möbel in einen fragilen Schwebezustand versetzte. Beide Arbeiten setzten sich mit der persönlichen Erinnerung und der Zerbrechlichkeit der Gegenwart auseinander. Sie wurden ergänzt durch drei Videoarbeiten, die das Spannungsfeld von räumlicher Präsenz und zeitlicher Distanz thematisierten. Mehrere „Artist Talks“ boten die Möglichkeit zum Gespräch mit den Künstlern, den Kuratoren und dem Architekten des Museumsneubaus. In einem ganztägigen Symposium wurde die Social-Media-Kampagne „30 Jahre – 30 Geschichten“ präsentiert und als Zeitreise zum Ausgangspunkt einer Diskussion über 30 Jahre jüdische Museologie in Europa und deren Zukunft. Im „LAB“ konnten sich die Besucher in die Konzeption der geplanten Dauerausstellung „Wir sind da! Juden in Europa 1945-1950“ einbringen. Eine Fotoausstellung dokumentierte die Bauphase von der Grundsteinlegung bis zur Gegenwart und ein Infostand zeigte mit Plänen und Visualisierungen die Zukunft des neuen Museums. Filmvorführungen und Abendveranstaltungen spannten einen Bogen von jüdischer Gegenwartskultur bis zum Elektro-Swing am Abend der Eröffnungsfeier. Nach fünf Tagen und sechs Nächten auf der Museumsbaustelle fand das Open House seinen Abschluss in einer lauten „Closing-Party“. 

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Open House, Jüdisches Museum Frankfurt © Norbert Miguletz