Kultur Rhein-Main

Grenzerfahrung zwischen Tanz und bildender Kunst

Kultur Rhein-Main

In der hypnotisierenden Performance „Celestial Sorrow“ im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt erforschte Mitte November die Choreografin Meg Stuart die Grenzbereiche zwischen Tanz und bildender Kunst. In dieser Deutschlandpremiere nahm sie die Besucher mit in eine vibrierende, fragile Welt aus Licht, Bewegung und Sound und führte sie durch imaginäre, unsichtbare Erfahrungsräume.

Die Performance war Teil des dritten „Tanzfestival Rhein-Main“, das im November mit Aufführungen in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden herausragende Inszenierungen zeitgenössischer Choreografie zeigte. Es schlug eine Brücke zwischen der lokalen Tanzlandschaft und internationalen Choreografen, zwischen professionellen Tänzern und tanzbegeisterten Amateuren. Veranstaltet wurde es von der Tanzplattform Rhein-Main, die vom Mousonturm Frankfurt und dem Hessischen Staatsballett getragen wird. Die Aventis Foundation fördert diese Initiative, gemeinsam mit anderen Frankfurter Stiftungen, in einer mehrjährigen Partnerschaft. 

Meg Stuart erhielt in diesem Jahr den Goldenen Löwen der Bienale in Venedig für ihr Lebenswerk. Mit diesem neuen Tanzstück, das ebenso assoziationsreich wie emotional war, begab sich die Choreografin auf eine Reise in die menschliche Psyche. Ausgehend von einem fiktiven Trauma fragte sie danach, wie die Geister der Vergangenheit von uns Besitz ergreifen. In einem aus unzähligen Glühlampen vom indonesischen Ausnahmekünstler Jompet Kuswidananto gestalteten Raum legten drei Tänzer unerhörte Erinnerungsschichten frei. Mehr in Gesten als in erzählenden Handlungen trafen ihre Körper zu den treibenden Live-Sounds der experimentellen  Musiker Mieko Suzuki und Ikbal Simamora Lubys aufeinander, um sich gleich wieder zu lösen. Dabei erzeugten sie gutturale Laute, die scheinbar aus dem Innersten ihrer gequälten Seelen kamen. So führten Tänzer und Musiker die Zuschauer durch jene Räume an der Grenze zwischen Albtraum und Ekstase, die alleine durch Vorstellungskraft sichtbar werden. Die eher absurden Symbolwelten des letzten Aktes entließen die Besucher dann mit versöhnlichen Tönen in den Abend.

Die Tanzplattform Rhein-Main ist Ansprechpartner für zeitgenössischen Tanz und Choreografie, Tanzvermittlung, Tanz in Schulen und künstlerische Forschung. Sie trägt wesentlich zur Sichtbarkeit und Stärkung der Kunstform Tanz im Rhein-Main-Gebiet bei. Professionelle Tanzschaffende, das tanzinteressierte Publikum sowie Studierende der Studiengänge Tanz, Choreografie und Theater sind ebenso Adressaten der vielfältigen Aktivitäten wie tanzbegeisterte Kinder, Jugendliche und erwachsene Laien. Dabei liegt der Fokus auf dem Verstetigen bereits existierender Angebote, dem Vertiefen und Erweitern vorhandener Kenntnisse und Fragestellungen und der Weiterentwicklung bestehender Konzepte von Tanz und Choreografie. 

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Tanzfestival Rhein-Main, Celestial Sorrow, Meg Stuart © Laura van Severen