Schauspiel Frankfurt, Home

Von den Menschen dieser Stadt

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Anfang Mai hatte die monodramatische Serie „Stimmen einer Stadt“ in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt Premiere. In drei aufeinanderfolgenden Spielzeiten werden jeweils drei Autoren ein Monodrama schreiben, das am Schauspiel zur Aufführung kommt und von einer realen Biografie aus Frankfurt inspiriert ist. In einer nachhaltigen Partnerschaft fördert die Aventis Foundation dieses Kooperationsprojekt des Literaturhauses Frankfurt mit dem Schauspiel Frankfurt unter der neuen Intendanz von Anselm Weber.

Bereits die ersten drei Dramen, die an diesem Abend in Abfolge präsentiert wurden, waren Paradestücke für jeweils einen Schauspieler, der das Solo eines anderen Lebens spielte. Entstanden waren die Auftragswerke nach gemeinsamen Recherchen und Begegnungen der Dramaturgen, Autoren und Schauspieler mit den Menschen vor Ort. Die dokumentarischen Aspekte waren poetisch überschrieben worden, sodass aus der literarischen Überhöhung eine theatrale Kunstfigur entstand. Über die Spanne von drei Jahren wächst damit im Schauspiel Frankfurt ein literarisch-dramatisches Kaleidoskop dieser Stadt.

In seinem Stück „Im Dickicht der Einzelheiten“ stellte der Frankfurter Autor Wilhelm Genazino einen Flaneur in den Mittelpunkt, der durch die Mainmetropole streift und dabei Straßenszenen und Alltägliches beobachtet. Zwischen Banken, Müll, Parks und Geschäften entstand dabei die Poesie einer modernen Großstadt, verknüpft mit persönlichen Erinnerungen sowie Aphorismen über Erfolg, Autorenschaft und Heimat. Die Romanautorin Olga Grjasnowa erzählte in „Absturz“ die Geschichte einer 30-jährigen Mitarbeiterin am Frankfurter Flughafen, die Angehörige der Insassen einer abgestürzten Maschine betreut. Sie erlebt, wie der Absturz nicht nur das Leben der anderen, sondern auch ihr eigenes verändert und sie mit existenziellen Fragen konfrontiert. Die mehrfach ausgezeichnete Bildende Künstlerin und Autorin Teresa Präauer aus Wien beschrieb in „Ein Hund namens Dollar“ die Partnerschaft zwischen einem Spekulanten und einem hässlichen Hund, die als auffälliges Paar durch die Stadt ziehen. Nach einem absurden Abenteuer am Eurozeichen vor dem ehemaligen EZB-Hochhaus erzielt der Spekulant beim Verkauf des Hundes einen ansehnlichen Preis und träumt weiter vom Luxus, der dem Leben nicht den Sinn gibt,  aber doch die Süße der unbeschwerten Existenz. 

Verbunden wurden die drei Stücke durch einen gemeinsamen Bühnenaufbau, dessen extrem verkürzte Zentralperspektive zu optischen Täuschungen führte. Diese ermöglichten ein Spiel mit scheinbar veränderten Größen der Akteure, je nach Position im Bühnenraum. So erlebten die Zuschauer drei sehr eigene Werke, die so unterschiedlich waren wie ihre Autoren und so vielstimmig, wie die Menschen Frankfurts. 

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Stimmen einer Stadt, Im Dickicht der Einzelheiten © Schauspiel Frankfurt, Felix Grünschloß