Experimental Concert Research, Home

Die Vermessung des Konzerterlebens

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Ende Mai wurde ein neuartiges kulturelles Forschungsprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt, das den Konzertort zum Labor macht. Es soll einen wissenschaftlichen Beitrag zur teils kontrovers geführten Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des klassischen Konzerts leisten. Dabei werden gleichbleibende musikalische Programme unter veränderten Konzertbedingungen präsentiert und das ästhetische Erleben der Zuhörer mit wissenschaftlichen Methoden untersucht. Das Forschungsprojekt wird hauptsächlich von der Volkswagenstiftung finanziert; die vorgesehenen 12 Konzerte im Radialsystem V und im Konzerthaus Berlin und damit den künstlerischen Teil des Projekts fördert die Aventis Foundation.

An einer Reihe von Abenden werden dieselben Musiker dasselbe musikalische Programm aufführen, jedoch werden von Konzert zu Konzert formale und künstlerische Aspekte der Aufführung verändert. Dazu zählen u.a. Moderation, Lichtregie, Setting oder Veränderungen in der Musikdramaturgie bis hin zu komplexen Aufführungen, in denen die Musik durch Videokunst und andere assoziative Kontexte ergänzt wird. Mittels ausführlicher Vor- und Nachbefragungen, Messungen der Herzrate und des Hautleitwerts, der Bewegungen wie auch emotionaler Zustände und anderem soll das ästhetische Erleben der Musik in diesem spezifischen Rahmen untersucht werden. Durch den Vergleich der einzelnen Abende kann dann herausgefunden werden, welche Dimensionen des Konzerts welchen Einfluss auf das Musik-Erleben haben, aber auch welche Typen von Konzerthörern überhaupt existieren, was das Hören prädisponiert, welche Interaktion zwischen Musikern und Publikum stattfindet und vieles andere mehr. Diese Ergebnisse werden nicht nur für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen von Interesse sein, sondern auch relevant für Orchester, Dirigenten, Intendanten von Konzerthäusern und Musikfestivals.

An diesem auf drei Jahre angelegten internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekt „Experimental Concert Research“ unter Federführung der Zeppelin Universität in Friedrichshafen beteiligen sich das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main, die Universität Bern in der Schweiz, die University of York in Großbritannien sowie das Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Konzerterlebnis © Sebastian Bolesch