Kultur Berlin

Festival der jungen Klassikszene

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Nach dem erfolgreichen Start vor zwei Jahren präsentierte die Junge Norddeutsche Philharmonie Anfang August auf dem Gelände des ehemaligen Funkhauses Berlin die dritte Ausgabe ihres sommerlichen Mini-Festivals, diesmal unter dem Titel „Detect Classic Festival“ und erweitert um zahlreiche Ensembles und Einzelkünstlerinnen und Künstler aus den Bereichen klassischer und elektronischer Musik, Tanz sowie Performance. Die Entwicklung dieses Formats durch die Junge Norddeutsche Philharmonie ist von Beginn an von der Aventis Foundation maßgeblich gefördert worden.

Mit der Erweiterung auf zwei Tage soll ein progressives Festival der jungen Klassikszene für ein Publikum jenseits der etablierten Konzertsäle geschaffen werden. Das stellt auch die beteiligten Musiker und Musikerinnen vor die Herausforderung, sich mit der Rolle und der Vermittlung klassischer Musik in der Gegenwart auseinanderzusetzen und herkömmliche Raum-, Zeit-, Publikums- und Genregrenzen zu überschreiten.

Der Ablauf an diesem Wochenende orientierte sich an der kompakten Dramaturgie eines Elektro-Festivals mit zahlreichen, teilweise parallel stattfindenden Veranstaltungen und der optionalen Übernachtungsmöglichkeit auf dem Gelände. Das angesagte Areal des ehemaligen DDR-Rundfunks mit zwei beeindruckenden Studios, der Balletthalle und dem Foyer bot optimale Möglichkeiten für ein genreübergreifendes Programm mit mehr als 400 Künstlern. Die Junge Norddeutsche Philharmonie und andere Ensembles präsentierten Sinfonien von Mahler, Beethoven und Schostakowitsch, deren Inszenierung mit dem tradierten Verhältnis von Klangkörper und Publikum spielte. Junge Solokünstler und Kammermusikensembles, die sich vorab mit einem Videobeitrag beworben hatten, zeigten progressive Programmbausteine, die sie selbst moderierten. Zeitgenössische elektro-akustische Musik und experimentelle Acts aus den Bereichen Techno und Ambient schufen eine Verbindung von klassischer Musik und Clubkultur. Außerdem war das gesamte Festivalgelände Schauplatz kurzer musikalischer Interventionen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag lud ein abgedunkelter Raum mit Liegen und leiser Audioinstallation ein, sich auf ein Schlafexperiment einzulassen. Neben Diskussionsrunden, Ausstellungen, Hörspielen und Tanzperformances standen ein Künstlerbrunch und eine Zeitzeugenführung über das Gelände auf dem Programm. Diese ergänzenden Angebote unterstützten die zeitgemäße Einordnung der Musik und vertieften das Festivalerlebnis.

Die Junge Norddeutsche Philharmonie hat als 2010 gegründetes Jugendorchester mit zahllosen, deutschlandweiten Auftritten seinen Ruf als besonderes Nachwuchsprojekt gefestigt. 120 Studierende norddeutscher Musikhochschulen im Alter von 18 bis 24 Jahren vereinen sich in diesem überregionalen Netzwerk für jugendlich-vitale Klassikkonzerte und besondere Veranstaltungsformate. Mit der Förderung der JNP unterstützt die Aventis Foundation diese Form engagierter Zusatzausbildung und die Ansprache neuer, junger Zielgruppen durch alternative Konzertideen.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto:  Detect Classic Festival © Junge Norddeutsche Philharmonie, Jan Konitzki