Ensemble Modern

Das Publikum als Künstler

Ensemble Modern

Im April ging das Ensemble Modern mit dem Projekt „Connect“ im Frankfurt LAB neue Wege in der musikalischen Kommunikation mit dem Publikum und hinterfragte die Hierarchien zwischen Interpreten und Zuhörern im Konzertsaal. Die  sprichwörtliche „vierte Wand“ der Bühne – die imaginäre Grenze zum Publikum – wurde aufgelöst. Gemeinsam mit den Gästen kamen zwei neue interaktive Kompositionen von Philip Venables und Oscar Bianchi zur Aufführung. Die Aventis Foundation förderte diese Performances mit ihren für alle Beteiligten außergewöhnlichen Erfahrungen.

Die Basis bildeten zwei Kompositions- und Aufführungsaufträge, die sich mit dem Verhältnis zwischen Publikum und Künstler auseinandersetzten. Zum Auftakt ließ der italienisch-schweizerische Komponist Oscar Bianchi in seinem Stück „Orango“ die Zuhörer als Klangerzeuger an seinem Werk teilhaben. Sie musizierten mit ihren Stimmen, auf Alltagsgegenständen und auf modifizierten Instrumenten und traten so in einen wechselseitigen Dialog mit dem Ensemble Modern. Darüber hinaus mobilisierte der Dirigent Jonathan Stockhammer immer wieder das gesamte Publikum und machte es mit lautmalerischen Impulsen und Tonwellen zum Teil des Klangkörpers. Im zweiten Teil des Abends verwandelte der britische Komponist Philip Venables das Frankfurt LAB in eine TV-Spielshow mit dem Publikum als Kandidaten. Er löste mit seinem brisanten Stück „The Gender Agenda“ die Barriere zwischen Publikum und Künstler auf und stellte in einer satirischen Untersuchung vorgefasste Erwartungen zu traditionellen Geschlechterrollen auf den Kopf. Gayle Tufts – bekannt für ihre Stand-Up-Comedy und ihr Denglisch – übernahm die Moderation der interaktiven TV-Show. Das Ensemble Modern und ein Sprechchor freiwilliger Laien schufen den musikalischen Rahmen. Für Interessierte, die sich aktiv an den Aufführungen beteiligen wollten, hatten im Vorfeld Workshops zusammen mit dem Ensemble Modern und den Komponisten stattgefunden. Am Ende des Abends wurde gemeinsam gefeiert und es bestand Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. 

„Connect“ ist eine europaweite Initiative. Mit Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne wurde sie 2016 als Kooperation vier führender Ensembles ins Leben gerufen – Ensemble Modern, London Sinfonietta, Asko-Schönberg und Remix Ensemble. Es entstehen neue Kompositionen, die die Hörer interaktiv einbinden und am Konzertgeschehen beteiligen. Die Werke werden europaweit von den am Projekt beteiligten Ensembles in Frankfurt, London, Amsterdam und Porto aufgeführt.

Das Ensemble Modern und die Aventis Foundation verbindet eine langjährige Partnerschaft. Die Stiftung unterstützt das Ensemble seit Gründung der ersten symphonischen Formation, förderte den Aufbau eines Repertoires von zeitgenössischem Musiktheater und finanziert, neben der Förderung einzelner Projekte, seit 2002 einen „Chair“ im Orchester und damit pauschal die Kosten für einen Musiker des Ensembles.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Connect „Orango“ © Ensemble Modern, Walter Vorjohann