Oper Frankfurt

Zeitgenössisches Musiktheater im Großen Saal

Oper Frankfurt

Wie weit ist man bereit zu gehen? Mit dieser Frage setzte sich die Oper „Der Mieter“ des zeitgenössischen Komponisten Arnulf Herrmann auseinander, die Mitte Oktober an der Oper Frankfurt uraufgeführt wurde. Ermöglicht wurde dieses Auftragswerk durch die Aventis Foundation, die als Hauptförderer die Ur- und Erstaufführungen des Opernhauses unterstützt.

In einem gemeinsamen Entwicklungsprozess mit dem Schriftsteller und Dramatiker Händl Klaus entstand ein Stück Musiktheater, dessen Kernszenen sich mit Anpassung und Ausgrenzung beschäftigten. Die szenischen Ideen orientierten sich an einem Roman von Roland Topor aus dem Jahr 1964, der von Roman Polanski 1976 als Psychothriller verfilmt wurde und dessen Stoff nichts an Aktualität eingebüßt hat. In einer von Wohnungsnot, Anspannung und Abhängigkeit geprägten Situation bezieht ein junger Mann ein Zimmer, dessen Vormieterin sich aus dem Fenster gestürzt hat. Unter dem unheilvollen Einfluss der Nachbarn, die in sein Leben und seine Gewohnheiten eingreifen und zunehmend ein Klima der Angst und Einschüchterung schaffen, gerät er in eine fatale Identitätskrise. Er erleidet dasselbe Schicksal wie die junge Frau. 

Arnulf Herrmanns mit Zwölftontechnik komponierte Musik war farbenreich – von düster-bedrohlichen bis hin zu grellen und durchsichtig leuchtenden Passagen. Durch das geschickte Spiel mit mikrotonalen Intervallen, schnellen Taktwechseln und Gesangslinien, die stellenweise zwischen hohen und tiefen Tönen hin und her sprangen, waren die solistischen Partien sehr anspruchsvoll. In der Romanvorlage sind die Beschreibung von Klängen und Geräuschen für die Entwicklung der Geschichte von zentraler Bedeutung. So arbeitete auch Arnulf Herrmann mit einer Reihe von immer wiederkehrenden musikalischen Klangelementen – wie dem Klopfen der Nachbarn, tropfendem Wasser oder dem Knirschen langsam zerbrechenden Glases – die sich über eine Vielzahl von Lautsprechern im Saal ausbreiteten. Immer weiter verstärkten sie das Gefühl einer nahenden, nicht zu greifenden Bedrohung. Je tiefer die Zuhörer an diesem Abend in die Musik eintauchten, desto stärker gerieten sie in den Sog dieser packenden, atmosphärischen Komposition. Mit überdimensionalen, teils transparenten Video-Projektionen und Lichteffekten schuf Johannes Erath eine surreale und bildstarke Inszenierung. Das Zusammenspiel von Filmsequenzen und Realer Handlung ließen Angstbilder und Realität ineinander verschwimmen.

In einer dreijährigen Partnerschaft unterstützt die Aventis Foundation seit der Spielzeit 2015/16 als Hauptförderer die Ur- und Erstaufführungen der Oper Frankfurt. Damit schafft sie Planungssicherheit und ein solides Fundament für die  Entwicklung von jährlich zwei innovativen Musiktheater-Inszenierungen auf künstlerisch hohem Niveau. Durch dieses Förderprogramm setzt die Stiftung ihre langjährige Projektpartnerschaft mit der Oper Frankfurt als einem der renommiertesten Opernhäuser Europas fort und leistet so auch einen Beitrag zur Entwicklung der Kulturlandschaft in Frankfurt. 

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 


Foto: Oper „Der Mieter“, Arnulf Herrmann © Oper Frankfurt, Barbara Aumüller