Kultur Rhein-Main

Bilder regen an zu literarischen Erzählungen

Kultur Rhein-Main

Mit einer Lesung von Lars Brandt und Jan Brandt begann Ende Oktober die diesjährige Veranstaltungsreihe „Acht Betrachtungen“, die zum zweiten Mal als Kooperation des Literaturhaus Frankfurt und des Museum für Moderne Kunst Frankfurt durchgeführt und von der Aventis Foundation gefördert wird.

Acht deutschsprachige Autorinnen und Autoren besuchen das MMK, wählen ein Kunstwerk der Sammlung aus und schreiben dazu einen Text. So entsteht eine unmittelbare Reflexion, die dann vom Urheber direkt vor dem Kunstwerk dem Publikum vorgestellt wird. Dabei trifft Bild auf Text und Betrachtung auf Begegnung und es wird die Basis für einen intensiven Austausch zwischen Autoren und zuschauenden Zuhörern geschaffen, dessen Ergebnisse zum Abschluss in einem Sammelband veröffentlicht werden.

Lars Brand ließ das Werk „Nude“ von Francis Bacon (1960) aus dem Depot des MMK holen und kleidete seine Betrachtungen zu Bacon selbst, zu seinem Leben und seiner Arbeitsweise in die Gedanken eines Malers, der sich mit diesem weiblichen Akt auseinandersetzt und sich nach und nach als Kunstfälscher herausstellt. 
Die Installation „Verbarrikadiertes Zimmer“ von Nicole Wermers (1996), die in ihren Raummodellen eingefrorene Situationen ohne deren Akteure zeigt, inspirierte Jan Brandt zu einer geheimnisvollen Geschichte über das unerklärliche Verschwinden von Menschen, das schließlich in der Entvölkerung eines ganzen Stadtviertels kulminiert. So erlebten die Besucher dieses Abends zwei unterschiedliche Schreiblinien, die aber beide überraschend neue Perspektiven auf die Kunstwerke eröffneten.

Die Aventis Foundation fördert dieses Konzept, weil es neue Wege geht, um die künstlerischen Ausdrucksformen Literatur und Bildende Kunst sinnstiftend zusammenzubringen. Gleichzeitig wird der literarische Nachwuchs gefördert, da etliche junge Autoren zur Teilnahme aufgefordert wurden. Offen für alle richten sich die Veranstaltungen auch an Schüler, Studenten und Lehrkräfte, insbesondere an diejenigen, die bislang womöglich nur zu einem der beiden Häuser regelmäßig Zugang hatten. Die Stiftung unterstützt dieses Projekt auch, weil es eine beispielhafte, inhaltliche Kooperation von zwei Frankfurter Kulturinstitutionen darstellt, die dadurch das Gesamtkulturbild der Stadt stärken und bereichern.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: Acht Betrachtungen, Lars Brandt © Aventis Foundation