eXperimente – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation

Freie Spielstätte für junge Darstellende Kunst

eXperimente – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation

Mit dem Stück „Standardmaßnahme – Begegnung mit dem Apparat“ des Performance- und Theaterkollektivs Arty Chock präsentierte studioNAXOS Anfang November die vierte Produktion der diesjährigen Spielzeit, die von der Aventis Foundation im Rahmen der Kultur-Initiative „eXperimente“ gefördert wird.

Von Mitte Oktober bis Anfang Dezember gestalten junge Künstlerinnen und Künstler aus Hessen in der Naxoshalle Frankfurt ein Programm, das von Sprechtheater über Performances, Neue Musik bis hin zu Installationen und Diskussionsveranstaltungen reicht. Ausgangspunkt der neuen Produktion von Arty Chock war die Verhaftung von zwei Mitgliedern der Gruppe während eines Gastspiels in Zürich aufgrund einer Bagatelle. In starken Bildern, Gesten, Soundkollagen und inszenierter Behördensprache entwickelte sich in der Tiefe der Naxoshalle eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis des Einzelnen zur staatlichen Gewalt – ausgeliefert dem Machtapparat und seiner Bürokratie. Die Zuschauer wurden Teil dieses theatralischen Apparates: Sie warteten in Kleingruppen auf harten Bänken bis zu ihrem Einlass. Sie wurden aufgefordert, ihre Uhren, Mobiltelefone und Ausweise  abzugeben, die in nummerierten Kartons bis zum Ende der Vorstellung verwahrt wurden. Sie mussten miterleben, wie deren Inhalt im Laufe der Performance am Bühnenrand nach und nach über ein Kopiergerät gezogen und scheinbar erfasst wurde. Nachdem sie sich und ihre persönlichen Gegenstände einmal ausgeliefert hatten, waren sie ohnmächtiger Teil der Abläufe in einem Apparat, der scheinbar nicht mehr aufzuhalten war.

Die Idee für studioNAXOS entstand in der Zusammenarbeit des Theater Willy Praml mit dem Verein Naxos-Bund e.V., einem Zusammenschluss von jungen, in Hessen ausgebildeten Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Arbeiten bereits im professionellen Kontext realisiert und öffentlich gezeigt haben. Sie stellt eine Reaktion auf die zunehmenden Veränderungen im Berufsbereich der Darstellenden Künste dar und soll in der Naxoshalle in Frankfurt die dauerhafte Etablierung einer Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler aus Hessen schaffen, um ihnen die Arbeit unter den Bedingungen einer professionellen, freien Spielstätte zu ermöglichen. Das im letzten Jahr begonnene Pilot-Projekt wird in diesem Jahr fortgesetzt und soll in der Folgezeit als eigenständige Sparte weiterentwickelt werden. 

Die Rhein-Main-Region verfügt über eine bundesweit einmalige Vielfalt und Dichte an Hochschulen und Studiengängen im praktischen und theoretischen Bereich der Darstellenden Künste, dem aber nicht das entsprechende Angebot an freien Spielstätten und Stellenangeboten gegenübersteht. So verlassen viele Absolventen die Region. Die im Studium geförderten und entstandenen Netzwerke gehen verloren und das durch die Investition in Ausbildung entstandene Potential kann nicht ausgeschöpft werden. Dem will diese selbstverwaltete Plattform entgegenwirken und eine konstante, längerfristig angelegte Unterstützung und Zusammenarbeit bieten.

Die Aventis Foundation fördert studioNaxos im Rahmen der Kulturinitiative „eXperimente“, die die Stiftung aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens im Jahre 2006 zur Förderung von Kulturprojekten im Rhein-Main-Gebiet ins Leben gerufen hat. Hierzu zählen neben Maßnahmen zur Nachwuchsförderung in den Bereichen Musik, Bildende Kunst und Literatur auch Initiativen, die Kinder und Jugendliche an kulturelle Themen heranführen. Bislang wurden im Rahmen dieser Reihe 54 Projekte mit einem Gesamtvolumen in Höhe von ca. 2,3 Mio. Euro gefördert.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. 

Foto: studioNAXOS, Arty Chock © Volker Muth