Ensemble Modern

Der goldene Drache

Ensemble Modern


Ende Juni präsentierte das Ensemble Modern im Bockenheimer Depot Frankfurt die Uraufführung von Péter Eötvös „Der Goldene Drache“ – ein Kompositionsauftrag auf Basis der literarischen Vorlage des Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig – deren Produktion mit maßgeblicher Unterstützung der Aventis Foundation in Kooperation mit der Oper Frankfurt möglich wurde.

In kurzen Episoden erzählt Schimmelpfennig mit einer gewissen Portion schwarzen Humors von den Schattenseiten der globalisierten Welt – von Ausbeutung, Gier und Brutalität – am Beispiel der Geschichte eines jungen Chinesen, dessen stark  schmerzender Schneidezahn mit einer Rohrzange gezogen wird. In diesem Stück prallen innerhalb weniger Minuten größtmögliche Kontraste aufeinander. Dazu hat  Péter Eötvös eine Musik geschaffen, die sich von scheinbarer Leichtigkeit bis hin zu einer bedrohlichen und melancholischen Klangvision entwickelt. Dabei hat er den Sprachrhythmus des Textes in die Musik übertragen und ein Sprechtheater mit Musik als bewusster Genremischung aus Operette, Schauspiel und Kabarett entstehen lassen, dessen eigenwillige Komik die Wirkung des Dramas verstärkt.

Ein doppeltes Rollenspiel macht den Reiz des Stückes aus: 5 Darsteller in 18 Rollen und 21 Szenen werden durch die Musik wiedererkennbar. Sie schafft ein Spannungsfeld zwischen den 5 Grundfiguren, die miteinander aber auch gegeneinander agieren. Ein Bühnenbild mit Installations-Charakter stellt die szenische Korrespondenz zwischen den Klangwelten her. Einfache, klare Formen und Prinzipien im Raum- und Kostümkonzept ermöglichen unmittelbare und schlagkräftige Kostüm- und Szenenwechsel.

Mit der Uraufführung dieser Musiktheater-Produktion des Ensemble Modern ist ein bedeutendes Werk zeitgenössischer Musik geschaffen und von Anfang an reproduzierbar konzipiert worden – als Bestandteil eines Repertoires an Eigenproduktionen und Auftragskompositionen, die das Ensemble Modern kontinuierlich aufbaut, um sie Festivals und Bühnen weltweit anzubieten. Die Aventis Foundation unterstützt dieses Konzept seit 2011, weil damit künstlerisches Neuland betreten wird und sich das Ensemble vom Interpreten zeitgenössischer Musik zu einem Initiator und Katalysator neuer Werke entwickeln kann. Dabei wird modernes Musiktheater der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und diese neue Kunstform auf der Basis individueller, emotionaler Erlebnisse zur Diskussion gestellt. So entstand 2012 die Auftragsproduktion „Wasser – Musiktheater in drei Szenen“ von Arnulf Herrmann mit Aufführungen in München und Frankfurt. Im Mai 2013 führte das Ensemble Modern Heiner Goebbels Oper „Landschaft mit entfernten Verwandten“ im Bockenheimer Depot erstmals in einer neu erarbeiteten „Frankfurter Fassung“ auf.

Die Aventis Foundation ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie dient der Förderung von Kunst und Kultur sowie von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Sie wurde 1996 als Hoechst Foundation gegründet und ist mit einem Stiftungskapital von 50 Mio. Euro ausgestattet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt.

 

Fotos: Ensemble Modern / Monika Rittershaus